Alleinerziehender Vater für 7 Tage - Ordnungsmanagement trifft auf Realität

 Ich bin 39 Jahre alt, oft zufriedener Vater von einer sechsjährigen Tochter und zwei zweijährigen Söhnen, Zwillingen und verheiratet - auch das meistens glücklich. 

Als Trainer und Experte für Ordnung, Klarheit und Struktur bin ich ein sehr organisierter und strukturierter Mensch, der gerne einige Rituale pflegt und seinen Tag mit ToDo-Listen und einem Wochen-Planer versüßt. Wenn ich es vorher geplant habe, bin ich auch gerne spontan. 

 

 

Jetzt folgt eine kleine Geschichte, wie sie sich gerade jetzt ereignet. Dieser Ausschnitt aus meinem privatem Leben soll auch Dir deutlich machen, dass Ordnung, Klarheit & Struktur ein Weg und nicht das Ziel ist. Ein Weg, den wir manchmal verlassen wollen, manchmal müssen...


Ausgangslage

Wie erwähnt verbringe ich mein Leben nicht allein, deshalb ist mir durchaus bewusst, dass ich nicht alles vorhersehen und planen kann. Ich organisiere mich entsprechend und plane Zeitpuffer ein. Die Puffer sind wichtig, um nicht in Zeitnot zu geraten und gestresst von einem Termin zum nächsten zu eilen. Morgens stehe ich gegen sechs Uhr auf, um eine halbe Stunde für mich zu haben, bevor die Kinder wach werden. So starte ich entspannt in den Tag und kann meine Aufgaben für den Tag in Ruhe, bei einer Tasse Kaffee, durchgehen.

Tage mit Kundenterminen und Homeoffice wechseln sich ab, so dass ich mir mit meiner Frau die Tage mit den Kindern aufteilen kann. Wer an der Reihe ist, holt die Kinder ab, kocht und bringt die Kleinen dann abends ins Bett. Somit hat der Partner immer einen Tag, an dem er sich nicht um das Familienmanagement kümmern muss. Die Wochenenden verlaufen immer sehr unterschiedlich, je nachdem, was ansteht. 

 

Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die sich in einem aufgeräumten Zuhause nicht nur wohl fühlen, sondern auch selbst gerne ordnen, ausmisten und aufräumen. Ich plane mir also immer wieder Zeitblöcke ein, in denen ich mich entspannen kann und etwas aufräumen, wegschmeißen oder ordnen darf. Ich sagte ja, ich gehöre einer Minderheit an.

 

Der Tag X - Eine neue Zeitrechnung

Ich lebe im Moment in einer neuen Zeitrechnung. Die Zeit vor dem Tag X war meine heile Welt. Damals konnte ich Dank meines Ordnungsmanagements auf Unvorhergesehenes entspannt reagieren und meine Tage effizient, effektiv aber entspannt gestalten.

Dann kam Tag X.

 

Meine Frau beschloss, sich den Fuß zu brechen indem Sie die letzte Stufe unserer Treppe kategorisch ignorierte. Ihr Plan, sich dieses Jahr die Vorweihnachtszeit mit einem Kaffee in der Hand, gemütlich von unserem Sessel aus anzuschauen, ging bis ins kleinste Detail auf. Gewürzt mit mehreren Tagen Wellness-Aufenthalt in einem Krankenhaus bei dem sie dank Vollnarkose einmal richtig ausschlafen dürfte, begann die Vorfreude auf eine für sie entspannte Adventszeit.

 

Metaphorisch gesprochen war das der Tag, an dem meine Frau durch ihren Sabotageakt die unterste Karte aus dem Kartenhaus, das sich mein ordentliches Leben nannte, herauszog.

 

Wie beim echten Kartenhaus blickt „Mann“ erschrocken hin, hält die Luft an und hofft, dass es doch noch stehen bleibt. Und genau in diesem Augenblick kommt ein Luftstoß, oder genauer gesagt drei Luftstöße. Denn nachdem eine Karte nach der anderen in sich zusammen zu fallen beginnt, grinsen mich auf der anderen Seite meine drei Kinder an. Jetzt, als ich diese Zeilen schreibe, bilde ich mir irgendwie ein, die Augen meiner Kinder glühen dabei feuerrot…

Meine geliebten Kinder Satan, Luzifer und Dämona, die Fürsten der Finsternis zu nennen, würde natürlich zu weit gehen, aber der Vergleich bietet sich an.

 

Die ersten zwei Tage war ich richtig gut drauf, wirklich richtig gut. Ich überflog meinen Kalender. Die ersten Termine verschob ich um 30 Minuten nach hinten, die letzten um 30 Minuten nach vorne. Dank der Pufferzeit zwischen den Terminen, passte ich die anderen an. Ich hatte weniger Zeit, aber für solche Tage habe ich ja die Pufferzonen eingeplant. Ich stand 30 Minuten früher auf und holte die Erlaubnis ein, die Kinder 30 Minuten später abzuholen. Damit hatte ich jeweils eine Stunde vor und nach der Schul- und KiTa-Zeit gespart. Aufstehen, Frühstück machen, Kinder anziehen, bringen, arbeiten, einkaufen, abholen, kochen, waschen, aufräumen, Abendessen, schlafen legen, danach noch Bürokram machen.

BÄM - Superdad, a new  Avenger is born!

 

Am dritten Tag bemerkte ich, dass den Jungs die Hosen ausgingen, weil ich diese zu waschen vergessen habe. Bis ich Ersatz gefunden hatte (Ersatz, waren die Hosen von Vorgestern, die sauberer waren, als die von gestern) vergingen zwanzig Minuten. Diese sorgten dafür, dass der Morgen ein wenig anders verlief, als geplant. In der Zeit konnte ich meine Tochter nicht beaufsichtigen, die sich natürlich nicht angezogen hatte und die Jungs, vorbildlich, wie sie sind, wollten ihren Papa unterstützen und zogen sich die vollen Windeln schon einmal selbst aus. Als neuer Superheld versuchte ich die Zeit zurück zu drehen, es klappte aber nicht. 

Also alles im Eiltempo und nur das Wichtigste wurde gemacht. Aus dem gesunden Morgensmoothie wurde eine Banane auf die Hand, Mützen auf den Kopf und ab ins Auto.

Als das letzte Kind abgeben wurde, drehte ich das Autoradio ab und genoss die Stille.

Ein leicht, zeitlich knapp bemessender Arbeitstag folgte und dann begann die eigentliche Arbeit.

 

Ich hatte alle im Auto, hörte mir die Standpauke an, weil zu viel Butter auf dem Pausenbrot war und Mama die Apfelstücke immer viel kleiner macht und das ist selbstverständlich viel leckerer.

Das wurde im Krankenhaus zum Glück nicht gepetzt und so holte ich mir einige Komplimente und Danksagungen meiner Frau. Auf die Frage, ob Zuhause alles klappt, schenkte ich meiner Frau nur ein stolzes Lächeln. „Klar, Zeit- und Ordnungsmanagement meine Süße, alles im Griff!“

 

Zuhause angekommen begrüßte uns das Chaos, das wir am Morgen verlassen haben. Das Geschirr auf dem Tisch, die schmutzige Wäsche im Bad, und der Berg an Hosen der Zwillinge, die ich noch vor der Arbeit in die Waschmaschine legen wollte… wollte. 

 

„Wollte“ war ein Wort, das ich in den nächsten Tagen oft benutzen sollte… 

„Sollte“ war auch so ein Wort…

 

Das Geschirr wurde also erst einmal schnell auf die Spüle gelegt, weil das Abendessen jetzt wichtiger war. Die Kinder spürten irgendwie eine „negative Vibration“ und waren ein wenig aufgedreht. Ausnahmsweise durften alle drei eine Folge von Feuerwehrmann Sam mehr schauen. Das verschaffte mir zwanzig Minuten! Mist zu wenig, also ausnahmsweise noch eine Folge, aber dann ist Schluss. Gut, einige Kunden konnte ich zurückrufen, Abendessen machen. Aufräumen mache ich später.

Beim Abendessen erfahre ich, dass ein neuer Buchstabe gelernt wurde und Hausaufgaben anstehen. Da es schon sehr spät war, durfte der Tisch so verlassen werden. „Ich räume später auf. Helena, bitte hole die Hausaufgaben. Jungs, wir gehen hoch, Zähne putzen.“ Dann begann mein persönliches Training für die Treppensteigen-WM in New York. Unten waren die Hausaufgaben nicht klar, oben stritten die Jungs, wer zuerst putzen darf. Eigentlich wollte keiner Zähne putzen, aber jeder wollte der erste sein, der es nicht will… 

 

Kaum war ich wieder oben, hörte ich „Paaaaapaaaaa, feeeeertiiig“. Konnte natürlich nicht sein, denn ich war erst 30 Sekunden oben. Also wieder runter. „Die anderen Zeilen muss Du natürlich auch ausfüllen Schatz, nicht nur die oberste.“ „Ups, vergessen Papa.“ „Ok, bin wieder oben und mache die Jungs schlaffertig.“

 

Jungs sind fertig, unten ist es seit zwanzig Minuten komisch still. Ich gehe runter. Erst die zweite Reihe ist fertig. Auf die Frage, was sie die ganze Zeit gemacht hat, bekomme ich zu hören, dass der „Blei“ nicht zu finden ist, deshalb hat sie mit dem schwarzen Buntstift geschrieben, aber der ist jetzt abgebrochen, also sucht sie den Bleistift jetzt doch. Zwanzig Minuten? Das Mäppchen hat man mit einem Blick „durchgesucht“ und sieht, dass der „Blei“ nicht drin ist. „Wieso schaust Du nicht in der Tasche nach?“ „Ups, vergessen Papa“ „Grrrrrrrrr“ 

 

Bis alle eingeschlafen sind ist 20.30 Uhr. Mist die Hosen müssen in die Wäsche…  und irgendwann in der Nacht in den Trockner, brauche die ja morgen früh. Ok, Wecker ist gestellt. Jetzt Bürokram, später mache ich Ordnung. Höre ein Rufen von oben: „Papa, ein Geist!“, ok, lege mich dazu und warte bis mein Sohn einschläft.

Warte… und warte… und warte… und werde vom Wecker um halb zwei geweckt. Mist.

Ich stolpere in den Keller, überlege mir die letzte Stufe zu ignorieren, entscheide mich dagegen.

Nehme mir vor bei den Avengers zu kündigen. Lege mich hin.

 

Der nächste Tag, die Unordnung wächst. Die Kinder freuen sich über vier Folgen Feuerwehrmann Sam, die Frau ist froh, dass Zuhause alles prima läuft…

 

Auf meiner ToDo-Liste muss ich zwanzig Sekunden scrollen, um das Ende zu erreichen und wünsche mir vom Weihnachtsmann einen 48-Stunden Tag. 

Ich kenne alle passenden Methoden, Tools, Tipps und Tricks um ein ordentlichen, klares und strukturiertes Leben zu führen… ich muss nur weniger schlafen. Das kommt auf meine ToDo-Liste. 

 

Mit einem Augenzwinkern,

Daniel Mohr

Dein Trainer & Coach für 

Ordnung, Klarheit und Struktur


Wenn Dir der Beitrag gefallen hat und Du Lust hast mehr zu lesen...  inzwischen gibt es einen zweiten Teil. Viel Spaß beim lesen!



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Kommentare: 12
  • #1

    Stefan Fritz (Dienstag, 28 November 2017 15:33)

    Lieber Daniel, Du hast mein volles Mitgefühl. Ich habe ähnliche Dinge erlebt und amüsiere mich über Deine Abenteuer und Deine Ironie. Bitte gib uns eine Fortsetzung.
    LG Stefan

  • #2

    Markus Grubenmann (Dienstag, 28 November 2017 16:58)

    So lernt Mann, was die Mütter so den ganzen Tag machen... zwischen dem Kaffeetrinken ;-)
    Lieber Daniel, glaube mir, diese Erfahrung möchtest du nie nie mehr missen. Ich rede aus Erfahrung ;-) Care diem! Geniesse die Zeit...

  • #3

    Stephanie Selmer (Donnerstag, 30 November 2017 14:01)

    Ich liebe diesen Text! Selten habe ich etwas gelesen, bei dem ich gleichzeitig so herzlich Tränen lachen und zustimmend nicken musste.

  • #4

    Petra (Donnerstag, 30 November 2017 20:11)

    Genial, Dein Artikel. Genau so ist die Realität. Ich habe so gelacht und kann auch nur zustimmen. ;-)

  • #5

    Nicole (Freitag, 01 Dezember 2017 09:25)

    Das ist das reale Leben. Hast du Kinder, kannst du das schönste Zeitmanagement so manches Mal in die Tonne kloppen. Mut zur Lücke ;-D

  • #6

    Feckon (Freitag, 01 Dezember 2017 22:08)

    Leben ist dass was passiert, wenn wir fleißig dabei sind Pläne zu machen...gibt es noch einen 2. Teil?

  • #7

    Daniel (Samstag, 02 Dezember 2017 16:27)

    Vielen Dank für Eure Kommentare!
    Ich habe sehr viele Anfragen bezüglich eines zweiten Teils erhalten und freue mich sehr darüber. Deshalb ja, es wird einen zweiten Teil geben, den ich nächste Woche veröffentlichen werde.
    Sobald der Beitrag erscheint, findet Ihr den zweiten Teil hier, in meinem Blog: https://www.daniel-mohr.com/blog/
    oder als Beitrag bei Facebook: https://www.facebook.com/info.daniel.mohr/
    Ordentliche Grüße!

  • #8

    Isabel Ebner (Samstag, 02 Dezember 2017 18:20)

    Lieber Daniel!
    Wir Frauen lieben Dich für Deinen genialen Beitrag. Richtungsweisend für einen konstruktive(re)n Weg zum gemeinsamSein von Mann und Frau!

  • #9

    Silke (Sonntag, 03 Dezember 2017 09:49)

    Herrlich ehrlich. Willkommen in der Realität!

  • #10

    Elise (Dienstag, 05 Dezember 2017 14:50)

    Seid Woche habe ich nicht mehr so gelacht. Du bist genial. Freue mich auf weiter lesen.

  • #11

    Sabine (Dienstag, 05 Dezember 2017 15:30)

    Ja, so ist das wahre Leben, immer für eine Überraschung gut.
    Genial geschrieben, freu mich auch auf mehr.

  • #12

    Petra (Mittwoch, 10 Januar 2018 17:38)

    .....wunderbar geschrieben, mit viel Herz und Humor. Jeder der Kinder hat, findet sich wieder und wie heilsam, wenn Mann und Frau über sich selbst und die Sitation lachen können!