Alleinerziehender Vater für 7 Tage - Ordnungsmanagement trifft auf Realität - Teil 2

Am Morgen bemerke ich die ersten grauen Haare und frage mich, ob Lewandowski auch drei Kinder hat und alleinerziehend ist - So, wie er aussieht, muss wohl.

Aber an diesem Morgen läuft es erstaunlich gut. Ich habe die Hosen parat, und danke den guten Mächten, dass auch die Pullis, T-Shirts und Bodys vorrätig sind. Es gibt ein richtiges Frühstück und wir kommen 5 Minuten vor der Zeit aus dem Haus raus. Bäm, Superdad is back! 

 

 

Ja genau, jetzt erkenne ich das Muster! Ein Avenger bekommt immer erst auf die Mütze, fällt zu Boden, aber dann… dann bleibt er nicht liegen, er erhebt sich! Also breite ich meine Arme aus, genieße das Gefühl, wie ein Phönix aus der Asche wieder geboren zu sein und bin stolz auf mein Zeit- und Ordnungsmanagement. Ich habe alle Kindern pünktlich im Auto, ich bin wieder da! 

Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, weiß ich es besser.

 


 Von Glückshormonen trunken machte ich zwei Fehler. Erstens, vergaß ich, wie die Filme weitergehen. Nachdem ein Avenger einen Tritt in den Allerwertesten bekommt, und wieder aufsteht, ist ein Film nicht zu Ende. Nein, erst dann kommt der Endgegner. 

Zweitens, das Böse schläft nie. Es gibt nicht auf. Als Elternteil muss Du immer auf der Hut sein, immer!

Als ich am Morgen am Auto stand und mir die Kinder hinterher rannten, hatte ich kurz ein Gefühl, dass sie mich an etwas erinnern. Am Morgen ignorierte ich das Gefühl, aber jetzt lichtet sich der Nebel vor meinen Augen und ich sehe das Bild vor mir. Die apokalyptischen Reiter! Gut, eigentlich sind es vier gewesen, nicht drei - aber der Vierte hat sich ja den Fuß gebrochen… 

 

Der letzte Kundentermin fiel an diesem Tag aus. Der Kunde sagte ganz kurzfristig ab und wunderte sich sicherlich, warum ich mich so darüber gefreut habe. Aber das war genau das, was ich gebraucht habe, Zeit. Ich freute mich also darüber, das Haus wieder in den Zustand vor Tag X zu bringen. Heute Nachmittag könnte ich dann in aller Bescheidenheit meine Frau in ein top aufgeräumtes Zuhause führen, mit den Kindern lachend das Abendessen zubereiten und so tun, als wären die letzten Tage das Paradies auf Erden gewesen. Mit so vielen Bonuspunkten kurz vor Weihnachten, freute ich mich schon auf mein neues iPad.

 

Mittags kam dann der Anruf. Es gab wohl doch Komplikationen mit dem Bruch. Mein Frau kommt frühestens am Samstag aus dem Krankenhaus, also in zwei Tagen. „Du Armer,“ sagte sie am Telefon, „Ist bestimmt ganz stressig mit den Kindern, oder?“  „Whaaaat? Tsss, easy. Alles im Griff. Läuft! Wir kommen dich alle heute besuchen.“ Ich legte auf. Habe wohl irgendwas in die Augen bekommen, Tränen kullerten die Wangen hinab. 

Noch zwei Tage also, so sah der Endgegner aus. Ok, egal. Alles ist sauber und ordentlich. Du bereitest dir jetzt alles schön für morgen vor und dann heißt es den Status quo zu halten.

 

Ich holte meine Tochter zuerst ab, und freute mich schon, sie darauf aufmerksam zu machen, wie klein die Apfelstücke heute waren - kleiner als bei Mama, ha!. Doch ich kam nicht dazu. „Papa, Du hast mir heute wieder Apfel gemacht. Voll langweilig.“ Na toll. Hatte Lust zu erwidern, dass es gestern ein Boskoop war und heute ein Golden Delicious von mir kredenzt wurde, ließ es aber bleiben. Stimmte ja auch nicht.

 

Wir fuhren weiter, um die Zwillinge aus der KiTa abzuholen. Die Betreuerin fing mich ab. „Ich muss Ihnen was Lustiges erzählen. Also es ist auch nicht lustig, aber irgendwie doch komisch…„ Schon ok, dachte ich. Es sind meine Kinder, ich kenne die Teufel. Kurz und knackig: Die beiden haben sich ins Bad abgesetzt und schmierten sich die Haare mit Handseife ein. In ihrer Weisheit bemerkten sie, dass da wohl was fehlt, um die Haare richtig waschen zu können. Also wurde ein Handtuch in die Toilette getunkt und damit die Haare richtig sauber gerubbelt. Frei nach dem Motto „Um zu überleben, muss Du nutzen, was du hast“ frisierten sich die beiden danach die Haare mit der Klobürste. Als sie ihren neuen Stile den anderen präsentierten, stießen sie allerdings auf wenig Anerkennung. 

Als ich Samuel fragte, wer denn diese blöde Idee hatte, bekam ich natürlich „Eli“ zu hören. Ich brauchte Elias nicht zu fragen, ich kannte die Antwort. Ich tat es trotzdem: „Samel“war seine Antwort, war ja klar. 

Mein Lachen unterdrückend schimpfte ich natürlich. Eigentlich war es aber egal. Da ich zum Abendessen Nudeln mit Tomatensoße machen wollte, war Baden eh schon eingeplant.

 

Auf dem Weg zum Krankenhaus vergaß ich zu erwähnen, dass wir die Mama nur besuchen und sie doch nicht nach Hause kommt. Ein winziges Detail, das ich eventuell ein bisschen unterschätzt habe…

 

Kaum im Krankenhaus angekommen rannte meine Tochter zum Desinfektionsautomaten. Zwei Löcher, in die man seine Hände stecken konnte. Es summt. Es leuchtet erst rot, dann grün und zack, die Hände bekamen einige Spritzer Desinfektionsmittel ab. Wie auf ein geheimes Kommando hörte ich zwei Schreie auf den Sekundenbruchteil genau, gleichzeitig durch die Eingangshalle schallen: „Ich auch!“

„Nein, ihr schmiert euch das in die Augen und dann macht ihr Aua, Aua.“ Gleiches Kommando, nur wesentlich lauter: „Auch das machen!“  Die Leute in der Halle schmunzelten.

„Ja, lacht ihr nur.“, dachte ich mir. „Ich kann ja nochmal nein sagen, dann schauen wir mal, wie lange ihr das noch lustig findet.“ 

Ich wusste, was passieren könnte. Meine Tochter stand triumphierend vor den Zwillingen und cremte sich die Hände genüsslich ein. Die beiden Jungs stimmten sich gerade in eine Kakophonie aus Schmerz und Wut ein und streckten ihre Hände nach dem Automaten. Ich erinnerte mich an das Hairstyling am Nachmittag und beschloss, dass eine Desinfektion nicht schaden könnte. Die Löcher im Automaten waren für die Köpfe zu klein, gut. Es gab keinen Knopf für die Dosierung und keine Klappen, Hebel oder andere Dinge, die meine Jungs kaputt machen konnten. 

„Na gut, aber NICHT, ich meine NICHT in die Augen fassen. Nur die Hände einschmieren und dann geht´s weiter.“  

„Ja, Papa“ 

Gut, Hände rein, Hände raus, Freude pur. 

„Nochmal machen!“ 

„Nein, Mama wartet, wir wollen sie doch jetzt besuchen. Los jetzt.“ 

Ok, noch ein letztes Mal. Rein, raus, fröhliches Quicken! 

„Papa, aua, das scharf.“ 

War ja klar. Gut, er hat auf mich gehört und seine Augen verschont. Dafür leckte sich Elias gerade die Finger ab und versuchte dann das Zeug mit der anderen Hand, die natürlich auch desinfiziert war, von der Zunge zu kratzen. Eine Flasche Wasser aus dem Automaten, ein halbes Päckchen Taschentücher und eine Viertelstunde später, stiegen wir in den Aufzug. Da natürlich jeder drücken musste, blieb der Aufzug auf jeder, der ersten drei Etagen stehen. Atmen…

 

Der Besuch war schön, für meine Frau. Ich rannte ständig hinter dem einen oder anderen Kind her und versuchte den Schaden so minimal, wie möglich zu halten. 

Dann holte ich den Kuchen heraus, den ich in weiser Voraussicht mitgebracht habe und wir genossen einige Minuten Ruhe. „Mama, wir durften gestern super viel Fernsehen schauen“, meine Tochter zählte an den Fingern ab. „Vier Folgen!“ „Ja“, sagte Eli, „wir Fernsehen viel geguckt!“. Meine Frau schaute mich nicht einmal an, sondern sagte nur „Aaaa-ha“. Es war ein, so ist das also - Aha. 

Mist. Meine Tochter drohte mit nur einem Satz alles zu Nichte zu machen, was ich aufgebaut hatte. Ich will mein iPad! Also zwinkerte ich meiner Frau liebevoll zu und meinte mit weicher Stimme:

„War gestern bisschen schwierig, weil die Kindern dich so vermisst haben. Wollte sie ein bisschen ablenken, da durften sie ausnahmsweise eine Folge mehr schauen.“

„Zwei Folgen mehr, Papa“

„Grrrr“

Meine Frau schmolz dahin und knutschte alle Kinder ab. Puh, das war knapp.

 

Eine der zwei anderen Mitbewohnerinnen des Zimmers wurde am Mittag operiert und erbrach sich gerade in eine Schüssel, da sie die Auswirkungen der Narkose nicht gut verkraftete. Wir packten also den Kuchen weg, und die Ruhe war wieder vergessen. Samuel entdeckte die Fernbedienung für den Fernseher, Elias die für das Bett. Ich nahm beide weg - Geheule. „Papa mein!“, sagte Samuel, was kein Kompliment war, denn er meinte gemein. Dann wurde wieder mit Mama gekuschelt. Nach erneutem Würgen, betrachtete die Zimmernachbarin ein weiteres Mal ihr Frühstück. Ok, Zeit zu gehen. 

Wie Mama bleibt hier? Wieder Geheule, krampfhaftes Festklammern an Armen und Beinen… „Papa mein, Mama bleiben!“ Na toll. Der Joker musste ausgespielt werden, den ich mir eigentlich für morgen aufsparen wollte.

„Was, ihr wollt nicht mit? Dabei wollte ich heute mit Euch Kino machen. Erst Nudeln mit Tomatensoße essen, dann Peterson und Findus schauen und dabei Popcorn naschen.“ Meine Frau zwinkerte mir zu.

„Jaaaa, Kino und Popcorn!“. Ok, mir blieb ein kurzes Zeitfenster, um die Bande gehfertig zu machen. Ich fragte, was wohl Findus diesmal alles erleben wird und zog alle blitzschnell an.

„So, jetzt aber schnell, damit wir den ganzen Film schaffen! Papa muss noch Wäsche waschen, kochen und Staubsaugen.“ Ich Fuchs, ich alter. Ganz nebenbei einige Verpflichtungen eingestreut und einen bemitleidenswerten Blick und einen Kuss meiner Frau abgestaubt. Drei Fliegen mit einem Schlag: Die Absolution meiner Frau, die Kinder vor die Glotze zu setzen, weitere Bonuspunkte auf meinem Konto und bisschen freie Zeit, in der ich mein neues iPad zusammenstellen konnte. Läuft!

Wir verließen das Zimmer und ich sang ganz leise vor mich hin: Superdad, Superdad….

 

Und tief aus der Erde, aus dem Palast der Dunkelheit ertönte eine dunkle, tiefe Stimme, die kein Sterblicher hören konnte:  „Zwei Tage Superdad? Danke, ich setze mich sofort ans Drehbuch… Hahahahaha!“

 

 

Mit einem Augenzwinkern,

Daniel Mohr

Dein Trainer & Coach für 

Ordnung, Klarheit und Struktur


Wenn Dir der Beitrag gefallen hat und Du Lust hast mehr zu lesen...  hier gibts es den ersten Teil.

Viel Spaß beim lesen!



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